Interview

München braucht wirklich frische Architektur

Diese Architekten formen das neue Gesicht der Landeshauptstadt.
Im Rahmen der Quartiersserie in Hallo München wurden entscheidende, bauende und verändernde Architekten zum Thema „München und seine Architektur“ befragt. Im Folgenden das Interview mit Thomas Sutor (14.11.2018):

Welche Architektur fehlt München ?

Thomas Sutor: Wirklich frische Architektur. Architektur welche einer konzeptionellen Gesamtidee unterliegt. Innovation in Technik, sozialer Durchmischung und der Kombination von Nutzungen.

Halten Sie diese Kritik für berechtigt: Der Münchner Stadtrat schimpft auf den aktuellen – uniformen, langweiligen, grauen – Wohnungsbau.

TS: Oliv Architekten wie auch viele Kollegen stehen unter enormem Zeit- und Kostendruck. Oft interessiert in der Hauptsache die Geschossflächenzahl. Wir setzen aktuell aber auch Beispiele mit spannenden und ungewöhnlichen Fassaden und Raumkonzepten im Bereich Neubau und Revitalisierung von Bürogebäuden um. Die enge Zusammenarbeit mit Bauherren und der Stadt hat z.B. in der Streitfeldstraße 25 (New Eastside Munich) und beim Ehemaligen Kaufhaus Beck in Laim zu allem Anderem als Langeweile und Tristesse geführt. Diese beiden Projekte hätten wir übrigens sehr gerne mit Wohnungsbau kombiniert.

Sind Ihre aktuellen Entwürfe aus der Not geboren, weltstädtisch, futuristisch, urban, zeitgemäß, effektiv, ökologisch?

TS: Unsere Entwürfe sind zeitgemäß, urban und vom Menschen beeinflusst. Die Gewichtung von Gestalt, Standort und Nutzung ergibt die Individualität jedes Projekts. Da das Thema Revitalisierung von Büro- und Wohngebäuden bei uns großgeschrieben wird, versuchen wir immer zuerst den Bestand neu zu denken und wieder zum Menschen zu führen.

Sind ihre Entwürfe und Bauten im Sinn des bezahlbaren Wohnens?

TS: Bezahlbarer Wohnraum heißt auch, im Ankauf der Grundstücke muss es schon bezahlbar sein. Wir planen aktuell Nachverdichtungen und Aufstockungen. Ein Mehr an Wohnraum wird hoffentlich die Mieten in München wieder bezahlbar machen.

Bricht ihr Wohnungsbau Regeln in München und wenn ja – welche?

TS: Eine Revitalisierung im Lehel geht ungewöhnliche Wege. Wir nutzen ein großes Bürogebäude und Rechenzentrum zu Wohnungen um. Sehgewohnheiten werden durchbrochen und eine artfremde Nutzung passen wir in die vorhandene Struktur ein. Wir schaffen es vermeintliche Schwächen des Gebäudes in Stärken umzuwandeln.

An welchem Standort würden Sie in München gerne bauen – und was?

Unabhängig

Wenn Sie wählen dürften: Wären Sie lieber heute oder im letzten Jahrhundert Architekt?

Natürlich heute, weil durch die technischen Möglichkeiten die konzeptionellen und die gestalterischen Ideen leichter umgesetzt werden können.

Glauben Sie man steht in 100 Jahren vor Ihren Gebäuden und betrachtet Sie als architektonische Sehenswürdigkeiten?

TS: Das ist der Traum jedes Architekten…

Ihr Traumhaus steht in … und ist...?

TS: Schachenhaus

Ein Beispiel für gelungenes Wohnen ist...?

TS: Der soziale Wohnungsbau „Dortheavej housing“ in Kopenhagen von BIG machte dieses Jahr Furore. Die Dänen sind in Architektur und Stadtplanung oft ein großes Vorbild für uns.

(Quelle: Hallo München / Mediengruppe Münchner Merkur)